Neue Konsumkultur - Nachhaltige öffentliche Beschaffung als Zukunftsthema

 

Konsum und Wachstum ohne Grenzen – das sind zentrale Versprechungen unseres Wirtschaftssystems. In vielen Ländern wird dies tatsächlich auch eingelöst: Wachsender Wohlstand sorgt für Kaufkraft, Kaufkraft fördert den Konsum und Konsum wird zum Motor für die Wirtschaft. Inzwischen erkennen wir aber die Grenzen dieses Systems: Dass dabei die natürlichen Ressourcen in naher Zukunft aufgebraucht sind, hat sich im kollektiven Bewusstsein etabliert. Dass unser Reichtum mittels Umweltverschmutzung und sozialer Ungerechtigkeit weltweit erkauft wird, ist ein Aspekt, dem wir bislang nur wenig Beachtung schenken.
Die NRW-Landesregierung wird in den nächsten Jahren einen Prozess begleiten, der eine nachhaltige öffentliche Beschaffungspraxis vorantreiben will. Ziel ist ein Paradigmenwechsel, bei dem nicht mehr der günstigste Preis, sondern Nachhaltigkeit im Zentrum steht. Wie dies geschehen soll, welche Partner uns dabei unterstützen und wie weit der Prozess in Gang gekommen ist, können Sie auf unserer Internetseite verfolgen.

Die öffentliche Hand besitzt eine große Marktmacht: Allein in Nordrhein-Westfalen konsumieren Behörden und Kommunen für rund 50 Mrd. Euro jährlich. In der gesamten Bundesrepublik kaufen sie für 260-480 Mrd. Euro ein. Diese Nachfragemacht kann genutzt werden, um nachhaltige, umweltschonende wie menschenwürdige Produktionsbedingungen zu unterstützen. Sie werden zu einem zentralen Einkaufskriterium. Wer nicht nach diesen Maßgaben produziert, verliert wichtige Abnehmer und Chancen am Markt.

Anders als beim Privatkonsum lässt sich die öffentliche Beschaffung über die Regulierungen und Vorgaben des Vergaberechts steuern. Nachhaltige öffentliche Beschaffung bietet somit die Möglichkeit, einen ethischen Handel voranzubringen, weil erstmals konkrete Anforderungen formuliert werden. Viele Unternehmen begreifen dies bereits als Chance und positionieren sich bereits entsprechend am Markt.


Die Konsumwende


Die globalen Folgen unseres lokalen Konsums sind nicht länger tragbar. Trotz wachsenden Wohlstands ist die Ungleichverteilung in der Welt immer noch eklatant. Besonders bedenklich ist, dass die Partizipation am Wachstum nicht nur in marginalisierten Staaten sondern auch innerhalb aufstrebender Schwellenländer oftmals nur einer Minderheit möglich ist. Ganze Bevölkerungsteile bis hin zu Staaten nehmen an einer weltweiten Entwicklung nur insofern teil, als dass sie billig Güter produzieren und somit auf ihrem Rücken der Reichtum anderer erwirtschaftet wird. Auch unser Konsum ist nur möglich, weil an anderen Orten unter schlechtesten Arbeits- und Umweltbedingungen kostengünstige Konsumgüter für uns hergestellt werden.

Ökologische und soziale Missstände werden in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Entsprechend ist unser Konsum in seiner Wirkung zu hinterfragen: Denn unser Konsumverhalten nimmt Einfluss auf die Lebensverhältnisse von Menschen weltweit. Wollen wir die Negativfolgen unseres Handelns minimieren, sind wir verpflichtet, bestehende Verfahrens- und Verhaltensweisen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung zu verändern. Letztendlich besteht die Herausforderung für uns alle darin, unser Konsumverhalten zu verändern – also zu einer Konsumwende beizutragen.

Beim Privatkonsum zeigt sich ein Trend hin zu öko-sozialen Produkten. Durch die fortgesetzten Missachtungen grundlegender ökologischer und sozialer Standards einerseits und eine breitere mediale Aufmerksamkeit andererseits, gewinnt ein ethischer Handel an Bedeutung. Insbesondere im Rohproduktbereich hat sich der Gedanke des Fairen Handels bereits etabliert. Dabei kommen Unternehmen den Anforderungen der Konsumenten nach, ökologische wie soziale Aspekte zu berücksichtigen. So werden inzwischen auch in konventionellen Supermärkten und bei Discountern fair gehandelte Produkte vertrieben – auch wenn dieser Erfolg zum Teil mit einer Herabsetzung der Standards erkauft wurde. 2015 betrug der Absatz des Fairen Handels in Deutschland über 1 Mrd. Euro, den größten Anteil machten mit 79 Prozent Lebensmittel aus.

Unterstützt wird diese Entwicklung durch eine zunehmende Transparenz, die digitale Medien und Netzwerke herstellen; sie verbreiten Fakten schneller und bieten Diskussionsplattformen vor allem für junge Konsumenten. Sie fördern den Austausch und lassen den Privatkonsumenten stärker partizipieren. Langfristig muss das Ziel jedoch darin bestehen, den Gedanken des Fairen Handels in den Mainstream zu tragen und einen nachhaltigen Konsum zu befördern.


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